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Vergleich · 15 Min Lesezeit

Agentur, Baukasten oder Freelancer?

Drei Wege, eine Praxiswebsite zu bekommen, drei sehr unterschiedliche Konsequenzen über fünf Jahre. Dieser Vergleich zeigt, welcher Weg zu welcher Praxis passt, was er wirklich kostet und wo die Stolperfallen liegen. Aus über 40+ Praxis-Projekten und vielen Migrationen von Baukasten zu professionellem CMS.

Von David Malewski, Gründer & Geschäftsführer, medizin-websites.de. Veröffentlicht am 11. Juni 2026

1. Das Entscheidungs-Framework

Die Frage „Agentur, Baukasten oder Freelancer?" ist die falsche Eingangsfrage. Besser: „Welche Anforderungen muss die Website in den nächsten 3 Jahren erfüllen?" Antworten wir das ehrlich, ergibt sich die Antwort fast von selbst. Die wichtigsten Achsen:

  • Rechtsrisiko: Wie groß ist der Schaden, wenn eine DSGVO- oder HWG-Verletzung publik wird? Bei Selbstzahler-Praxen mit hohem Umsatz: groß. Bei reiner Kassenpraxis: überschaubar.
  • Marketing-Anspruch: Soll die Website aktiv Patient:innen gewinnen (Selbstzahler, Recruiting), oder reicht Visitenkarte?
  • Eigene Zeit: Wie viele Stunden pro Monat ist die Praxis bereit, in Pflege zu stecken?
  • Skalierung: Kommt ein zweiter Standort, MVZ-Erweiterung, Praxis-Übergabe?
  • Budget über 5 Jahre (nicht: heute), inklusive Wartung, Updates und Eigenarbeit.

2. Vergleich: Kosten, Zeit, Recht, Skalierung

KriteriumBaukastenFreelancerAgentur (Spezialist)
Einmal-Investition0 bis 500 €1.500 bis 4.500 €3.500 bis 8.500 €
Monatliche Kosten15 bis 35 €0 bis 150 €80 bis 250 €
Eigenarbeit Setup40 bis 80 Std.8 bis 20 Std.4 bis 10 Std.
Time-to-Launch1 bis 4 Wochen4 bis 10 Wochen6 bis 12 Wochen
DSGVO / HWG SicherheitSelbst-RisikoJe nach SpezialisierungVertraglich abgesichert
Local SEO Out-of-the-BoxGeringMittelHoch
Ausfall-RisikoPlattform-AbhängigSingle Point of FailureTeam, Verträge, SLA
Skalierbarkeit (2. Standort)BegrenztMöglich, ad hocStrukturiert vorbereitet

Die 5-Jahres-Rechnung verschiebt sich oft deutlich. Eine Baukasten-Website mit geschätzten 25 Euro pro Monat plus 4 Stunden Eigenarbeit (bei 80 Euro Stundensatz) kostet über 5 Jahre rund 20.700 Euro. Eine Agenturwebsite mit 5.500 Euro Setup plus 150 Euro Wartung über 5 Jahre rund 14.500 Euro, ohne Opportunitätskosten der eigenen Zeit. Siehe Detailrechnung im Kosten-Artikel.

3. Wann ein Baukasten passt

Baukasten (Wix, Jimdo, Squarespace, IONOS) ist eine ehrliche Option für eine überschaubare Gruppe von Praxen:

  • Reine Kassenpraxis ohne Selbstzahler-Schwerpunkt.
  • Vollständig ausgelastet, keine aktive Patientengewinnung gewollt.
  • Eine Person in der Praxis hat Spaß an Tech und bringt 2 bis 4 Stunden pro Monat mit.
  • Niedriges Rechtsrisiko (keine Bilder von Patient:innen, keine Tracking-Tools).
  • Einzelstandort, keine Erweiterungspläne in den nächsten 3 Jahren.

Stolperfallen: Die DSGVO-Konfiguration (Cookie-Banner, AVV mit Anbieter, Tracking) ist Sache der Praxis. Wer einfach „Google Analytics" einfügt, hat in der Regel sofort einen DSGVO-Verstoß. Die Vorlagen-Textbausteine vieler Baukästen sind außerdem HWG-rechtlich zweifelhaft (Erfolgsversprechen, Vorher-Nachher-Bilder).

4. Wann ein Freelancer passt

Ein spezialisierter Freelancer kann die wirtschaftlich beste Wahl sein, wenn:

  • Mehrere Heilberufs-Referenzen vorliegen (mindestens 3 Praxen, im Netz prüfbar).
  • Vertraglich klar geregelt ist: Inhaberschaft an Domain, Code, Texten und Fotos liegt bei der Praxis.
  • Wartung und Erreichbarkeit klar definiert sind (SLA, Reaktionszeit, Vertretungsregel).
  • Recht und SEO mitbedient werden, nicht nur Design und Frontend.

Risiko Nummer eins: Single Point of Failure. Krankheit, Urlaub oder Geschäftsaufgabe des Freelancers können eine Praxis monatelang ohne Update-fähige Website lassen. Vertraglich absichern: Datenexport-Klausel, Übergabe-Pflicht bei Vertragsende, Quellcode-Übergabe.

5. Wann eine Agentur passt

Eine auf Heilberufe spezialisierte Agentur lohnt sich, wenn:

  • Die Website aktiv Patient:innen gewinnen soll (Selbstzahler, IGeL, Recruiting).
  • Rechtsrisiko hoch ist (Privatpraxis, Ästhetik, Zahnmedizin, Kieferorthopädie).
  • Mehrere Standorte oder Standort-Ausbau in den nächsten 2 Jahren realistisch sind.
  • Die eigene Zeit knapp ist und Pflege ausgelagert werden soll.
  • Sichtbarkeit für umkämpfte Keywords gefragt ist (Großstadt, Aligner, Implantate).

Achten Sie auf die Spezialisierung. „Wir machen auch Praxen" ist kein gutes Signal. Praxen-Spezialist:innen kennen HWG, DSGVO Art. 9, BFSG, Approbationsordnung und arbeiten mit Standardprozessen für Bildrechte, Texte und Schema-Markup.

6. Sechs typische Praxis-Szenarien

Solo-Hausarzt, kleinstadt, ausgelastet

Empfehlung: Baukasten mit DSGVO-Konfiguration durch einen Datenschutz-Dienstleister (einmalig ca. 350 bis 600 €). Ziel: Visitenkarte, Sprechzeiten, Kontakt.

Zahnärztin mit Aligner-Schwerpunkt, München

Empfehlung: Agentur. Hoher Wettbewerb, hoher Selbstzahler-Umsatz, hohes Rechtsrisiko (Vorher-Nachher-Bilder). Eigene Aligner-Landingpage mit Schema, Local-SEO-Setup, Bewertungs-Prozess.

Kinderarztpraxis, Gemeinschaft, mittlere Stadt

Empfehlung: Spezialisierter Freelancer oder kleine Agentur. Mittlere Komplexität, Vorsorge-/Impf-Seiten, Recruiting-Druck für MFA. Budget meist 3.500 bis 5.500 € einmalig.

MVZ mit drei Standorten

Empfehlung: Agentur. Standort-Landingpages, einheitliches Schema-Markup, zentrale Pflege durch eine Person, Recruiting-Strecke. Setup 7.000 bis 12.000 €, Wartung ab 200 €/Monat.

Physiotherapie, Selbstzahler-Anteil 40 Prozent

Empfehlung: Freelancer mit SEO-Schwerpunkt oder kleine Agentur. Landingpages je Behandlungsfeld, Google-Business-Profil-Optimierung, Bewertungs-Routine.

Hautärztin, Neueröffnung, Großstadt

Empfehlung: Agentur. Eröffnungs-Druck, hoher Wettbewerb, oft IGeL-Schwerpunkt. Time-to-Sichtbarkeit ist hier wertvoller als Setup-Ersparnis.

7. Versteckte Kosten je Option

Baukasten: DSGVO-Beratung, eigene Zeit, fehlende SEO-Möglichkeiten, Migrations-Kosten beim späteren Wechsel (oft komplettes Neu-Aufsetzen, weil kein Export).

Freelancer: Plötzliche Nicht-Verfügbarkeit, kein automatisches Update-Management bei Sicherheits-Patches, unklare Pflege-Verantwortung.

Agentur: Lock-in bei proprietären CMS-Lösungen, hoher Stundensatz für kleine Änderungen außerhalb des Wartungsvertrags. Lösung: vertraglich Exportierbarkeit und Standard-Stack vereinbaren.

8. Anbieter-Auswahl: 12-Punkte-Checkliste

  1. Mindestens 3 Heilberufs-Referenzen, im Netz prüfbar.
  2. Beispiele für DSGVO- und HWG-konforme Texte zeigen lassen.
  3. Schema-Markup im Standard-Lieferumfang.
  4. Local-SEO-Setup (Google Business Profile, NAP, Schema) inkludiert oder transparent bepreist.
  5. Mobile-Performance: Core Web Vitals im grünen Bereich nachweisbar.
  6. Klarer Bildrechte-Workflow (Mustermodelfreigaben, Stockfoto-Lizenz).
  7. Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) wird mitgeliefert, nicht nachgefordert.
  8. Wartungsvertrag mit definierten Reaktionszeiten.
  9. Vertragsklausel: Inhaberschaft an Domain, Code, Texten, Fotos liegt bei der Praxis.
  10. Datenexport bei Vertragsende ohne Zusatzkosten.
  11. Mindestens eine Person erreichbar bei Krankheit/Urlaub.
  12. Transparente Preisliste für Out-of-Scope-Änderungen, kein Stundensatz „auf Anfrage".
Anbieter-Entscheidung

Unsicher, welche Option zu Ihrer Praxis passt?

30-Minuten-Erstgespräch, ehrliche Einschätzung. Auch wenn Baukasten die richtige Antwort ist, sagen wir das.

Häufige Fragen

Anbieterwahl, häufige Fragen.

Ist ein Baukasten wirklich günstiger als eine Agentur?

Auf den ersten Blick ja, in der 5-Jahres-Rechnung selten. Baukasten kostet 15 bis 35 Euro pro Monat, plus die eigene Arbeitszeit für Aufbau, Pflege und Recht. Wer als Ärztin oder Arzt vier Stunden pro Monat selbst pflegt, rechnet schnell mit 200 bis 400 Euro Opportunitätskosten. Eine professionell betreute Agenturwebsite mit 100 bis 200 Euro Wartung pro Monat ist oft günstiger und rechtssicherer.

Kann ein Freelancer eine rechtssichere DSGVO-/HWG-Website bauen?

Ja, wenn er auf Heilberufe spezialisiert ist und Referenzen vorweist. Generalisten ohne Praxis-Erfahrung übersehen typische Fallstricke wie Erfolgsversprechen im HWG-Sinne, Tracking ohne Einwilligung, fehlende Auftragsverarbeitungsverträge. Frag immer nach mindestens 3 Praxis-Referenzen plus Beispielen für DSGVO- und HWG-konforme Texte.

Wie lange dauert eine Praxiswebsite jeweils?

Baukasten 1 bis 4 Wochen Eigenarbeit. Freelancer 4 bis 10 Wochen. Spezialisierte Agentur 6 bis 12 Wochen (sauberer Prozess inkl. Texten, Recht, Foto, Local-SEO-Setup). Generalisten-Agenturen oft 4 bis 6 Monate, weil Heilberufs-Spezifika erst im Projekt gelernt werden.

Was, wenn ich später wechseln will?

Bei Baukasten ist die Website meist nicht exportierbar (Wix, Jimdo, Squarespace). Bei Freelancer und Agentur sollte vertraglich geregelt sein, dass die Praxis Inhaberin von Domain, Code und Inhalten ist und alles ausgehändigt bekommt. Klausel im Vertrag: vollständiger Datenexport bei Vertragsende, ohne Zusatzkosten.

Sind 6.000 Euro für eine Praxiswebsite zu viel?

Kommt drauf an, was drin ist. Ein technisch sauberer, DSGVO- und HWG-konformer Aufbau mit Standortseite, mindestens 5 Leistungsseiten, Schema-Markup, Local-SEO-Setup, professionellen Fotos und CMS für Eigenpflege kostet realistisch zwischen 3.500 und 8.500 Euro einmalig. Wer deutlich darunter liegt, spart meist an Recht, SEO oder Fotos. Wer deutlich darüber liegt, zahlt Generalisten-Aufschlag.

Brauche ich überhaupt ein eigenes CMS, oder reicht Baukasten?

Bei reiner Visitenkarten-Praxis (Adresse, Sprechzeiten, eine Leistungsbeschreibung) reicht ein gepflegter Baukasten. Sobald Selbstzahler-Schwerpunkte, Recruiting, mehrere Standorte oder strukturiertes Local SEO ins Spiel kommen, ist ein professionelles CMS (z. B. Webflow, WordPress mit Block-Editor) wirtschaftlicher.

Ist eine Praxis-Software wie Jameda oder Doctolib eine Alternative?

Nein. Das sind Profil-Plattformen, keine Website. Sie ergänzen die eigene Praxiswebsite (Online-Termin, Reichweite über die Plattform), ersetzen sie aber nicht. Wer keine eigene Domain mit eigenen Inhalten hat, verliert Sichtbarkeit, SEO-Rankings und Datenhoheit an Drittanbieter.

Foto von David Malewski

David Malewski · Gründer & Geschäftsführer, medizin-websites.de

David ist Gründer und Geschäftsführer von medizin-websites.de. Gemeinsam mit seinem Team aus Designer:innen, Entwickler:innen und SEO-Spezialist:innen setzt er Praxiswebsites für Arzt-, Zahnarzt- und Therapie-Praxen in ganz Deutschland um, über 40 Projekte zwischen Hamburg und München. Schwerpunkte: HWG-konformes Webdesign, Local SEO für Heilberufe und Recruiting-Strecken für MFA, ZFA und Therapeut:innen.

Veröffentlicht am 11. Juni 2026